Wissenswertes
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Warum brauche ich eine Netzumschaltbox für meine PV-Anlage?
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Funktioniert meine PV-Anlage bei Stromausfall weiter?
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Wie lange hält mein Batteriespeicher bei Stromausfall?
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Welche Full-Backup-Box passt zu meiner PV-Anlage?
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Mehrere Wechselrichter im PV-Notstromsystem sicher anschließen
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Wallbox und Wärmepumpe im PV-Notstromsystem richtig einbinden
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Was passiert bei einem Wechselrichterdefekt mit meiner Stromversorgung?
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Für wen lohnt sich eine Netzumschaltbox?
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Umschaltzeit der Netzumschaltbox – warum ca. 2 Sekunden sinnvoll sind
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PV-Notstrom für Gewerbe: Netzumschaltbox bis 160A
Wallbox und Wärmepumpe im PV-Notstromsystem richtig einbinden
Wallboxen, Wärmepumpen, Heizstäbe oder größere Motoren gehören zu den leistungsstarken Verbrauchern in einem Gebäude. Im normalen Netzbetrieb können diese Verbraucher problemlos über die Hausverteilung versorgt werden. Im Notstromfall sieht die Situation anders aus: Die verfügbare Leistung ist dann durch Hybridwechselrichter und Batteriespeicher begrenzt.
Deshalb sollten große Verbraucher bei der Planung einer PV-Notstromversorgung besonders betrachtet werden. Nicht jeder Verbraucher, der im Normalbetrieb problemlos funktioniert, ist auch für den Ersatzstrombetrieb geeignet.
Eine Netzumschaltbox ermöglicht zwar die Umschaltung des Gebäudes auf den Backup-Ausgang des Wechselrichters. Die tatsächlich verfügbare Leistung richtet sich aber weiterhin nach dem Wechselrichter, dem Batteriespeicher und der aktuellen PV-Erzeugung.
Warum sind große Verbraucher im Notstromfall kritisch?
Große Verbraucher haben oft eine hohe Anschlussleistung. Eine Wallbox kann je nach Ausführung 11 kW oder 22 kW aufnehmen. Eine Wärmepumpe benötigt zwar im Betrieb häufig weniger Leistung, kann aber abhängig von Bauart, Betriebszustand und Zusatzheizung ebenfalls hohe Leistungen oder Anlaufströme verursachen.
Im Notstromfall steht diese Leistung meist nicht unbegrenzt zur Verfügung. Der Hybridwechselrichter hat eine definierte Backup-Leistung. Wird diese überschritten, kann der Wechselrichter abschalten oder in Störung gehen.
Zusätzlich entladen große Verbraucher den Batteriespeicher sehr schnell. Eine Wallbox würde einen typischen Hausspeicher in kurzer Zeit vollständig entladen. Dadurch stünde für wichtige Verbraucher wie Licht, Kühlschrank, Router oder Heizungssteuerung keine Energie mehr zur Verfügung.
Welche Verbraucher sollten im Notstromfall versorgt werden?
Im Notstromfall sollten vor allem Verbraucher versorgt werden, die wichtig für Sicherheit, Kommunikation und Grundversorgung sind. Dazu gehören Beleuchtung, Kühlschrank, Gefriertruhe, Router, Telefonanlage, Heizungssteuerung, Sicherheitstechnik und ausgewählte Steckdosen.
Große Verbraucher sollten bewusst priorisiert werden. Wenn sie nicht unbedingt erforderlich sind, ist es meist sinnvoll, sie im Notstromfall automatisch zu reduzieren oder abzuschalten.
Neuer Vorteil: Schaltkontakt für den Notstrombetrieb
Die Full-Backup-Boxen verfügen jetzt über einen zusätzlichen Schaltkontakt, der auslöst, sobald sich die Box im Notstrombetrieb befindet. Dieses Signal kann genutzt werden, um größere Verbraucher gezielt zu steuern.
Damit lassen sich zum Beispiel Wallboxen, Wärmepumpen oder andere energieintensive Verbraucher automatisch in einen reduzierten Betriebsmodus versetzen oder vollständig abschalten, sobald die Anlage auf Notstrom umschaltet.
Das bietet einen großen Vorteil: Der Batteriespeicher wird im Notstromfall geschont und die verfügbare Energie kann gezielt für wichtige Verbraucher im Gebäude genutzt werden. Gleichzeitig muss nicht jeder große Verbraucher zwangsläufig vollständig vom System getrennt werden. Je nach Gerät kann auch ein reduzierter Betrieb sinnvoll sein.
Typische Anwendungen für den Schaltkontakt sind:
- Wallbox bei Stromausfall automatisch sperren
- Ladeleistung der Wallbox reduzieren
- Wärmepumpe in reduzierten Betriebsmodus bringen
- Wärmepumpe über SG-Ready-Eingang ansteuern
- Heizstab oder Zusatzheizung abschalten
- größere Verbraucher über Schütz oder Steuerkontakt trennen
- Energiemanagementsystem über den Notstrombetrieb informieren
Damit wird die Netzumschaltbox nicht nur zur reinen Umschalteinrichtung, sondern auch zu einem wichtigen Signalgeber für das Lastmanagement im Notstromfall.
SG Ready: Wärmepumpe im Notstromfall gezielt steuern
Viele moderne Wärmepumpen verfügen über eine sogenannte SG-Ready-Schnittstelle. SG Ready steht für „Smart Grid Ready“ und beschreibt eine Steuerungsmöglichkeit, mit der die Wärmepumpe auf externe Signale reagieren kann.
Der Schaltkontakt der Full-Backup-Box kann genutzt werden, um der Wärmepumpe den Notstrombetrieb zu signalisieren. Je nach Wärmepumpe und Parametrierung kann das Gerät dann zum Beispiel in einen reduzierten Modus wechseln, den Betrieb einschränken oder bestimmte leistungsintensive Funktionen sperren.
Das ist besonders sinnvoll, weil Wärmepumpen im Notstrombetrieb nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden müssen. In vielen Fällen ist aber ein reduzierter Betrieb sinnvoller als ein uneingeschränkter Betrieb. So kann die Heizungsversorgung unterstützt werden, ohne den Batteriespeicher unnötig schnell zu entladen.
Wichtig ist: Die konkrete Funktion hängt von der jeweiligen Wärmepumpe, der SG-Ready-Parametrierung und der elektrischen Auslegung ab. Die Umsetzung muss durch eine Elektrofachkraft bzw. den zuständigen Fachbetrieb geprüft werden.
Wallbox im Notstromfall automatisch reduzieren oder abschalten
Auch Wallboxen können über ein externes Signal gesteuert werden, wenn sie entsprechende Eingänge oder ein kompatibles Energiemanagementsystem besitzen.
Im Notstromfall ist es in den meisten Fällen sinnvoll, die Wallbox automatisch zu sperren oder die Ladeleistung deutlich zu reduzieren. Der Energiebedarf eines Elektroautos ist im Vergleich zur Kapazität eines typischen Hausspeichers sehr hoch. Ohne Begrenzung könnte eine Wallbox die Batterie innerhalb kurzer Zeit entladen.
Der Schaltkontakt der Full-Backup-Box kann deshalb genutzt werden, um die Wallbox bei Umschaltung auf Notstrom automatisch abzuschalten oder in einen reduzierten Lademodus zu bringen.
So bleibt die gespeicherte Energie für wichtigere Verbraucher wie Kühlschrank, Licht, Router, Heizungssteuerung oder Sicherheitstechnik verfügbar.
Wie hilft die Full-Backup-Box MULTI zusätzlich?
Neben dem Schaltkontakt bietet die Full-Backup-Box MULTI einen zusätzlichen Anschluss für große Verbraucher oder weitere Wechselrichter.
Über diesen Anschluss können zum Beispiel eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder ein anderer größerer Verbraucher eingebunden werden. Im Normalbetrieb kann dieser Verbraucher wie gewohnt genutzt werden. Bei Netzausfall wird der zusätzliche Anschluss abgeschaltet.
Damit gibt es zwei Möglichkeiten, große Verbraucher im Notstromfall sinnvoll zu behandeln:
| Möglichkeit | Funktion | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Schaltkontakt | Verbraucher erhält Signal „Notstrombetrieb“ | Reduzieren, sperren, SG Ready, Energiemanagement |
| MULTI-Anschluss | Verbraucher wird im Notstromfall elektrisch getrennt | direkte Abschaltung großer Verbraucher |
Der Schaltkontakt ist besonders flexibel, wenn ein Gerät intelligent auf externe Signale reagieren kann. Der MULTI-Anschluss ist sinnvoll, wenn ein Verbraucher im Notstromfall vollständig getrennt werden soll.
Beispiel: Wallbox im Notstromkonzept
Eine Wallbox ist im Normalbetrieb ein sinnvoller Bestandteil einer PV-Anlage. Überschüssiger Solarstrom kann genutzt werden, um ein Elektrofahrzeug zu laden.
Im Notstromfall ist eine Wallbox jedoch meist nicht der richtige Verbraucher. Der Energiebedarf eines Elektroautos ist im Vergleich zur Batteriekapazität eines Hausspeichers sehr hoch. Wird die Wallbox im Stromausfall weiter betrieben, kann der Speicher innerhalb kurzer Zeit leer sein.
Deshalb empfiehlt es sich, die Wallbox im Notstromfall automatisch zu reduzieren oder abzuschalten. Dafür kann entweder der Schaltkontakt der Full-Backup-Box oder der zusätzliche Anschluss der MULTI-Variante genutzt werden.
Beispiel: Wärmepumpe im Notstromkonzept
Bei Wärmepumpen ist die Bewertung etwas differenzierter. Eine kleine, effiziente Wärmepumpe kann unter bestimmten Bedingungen im Notstrombetrieb funktionieren. Entscheidend sind die Leistung des Wechselrichters, der Betriebszustand der Wärmepumpe, mögliche Anlaufströme und der Ladezustand der Batterie.
Durch den Schaltkontakt der Full-Backup-Box kann der Wärmepumpe der Notstrombetrieb signalisiert werden. Über die SG-Ready-Schnittstelle oder eine andere externe Steuerung kann die Wärmepumpe dann in einen passenden Betriebsmodus wechseln.
So lässt sich verhindern, dass Zusatzheizungen, hohe Verdichterleistungen oder andere leistungsintensive Funktionen den Batteriespeicher unnötig belasten.
Empfehlung für typische Verbraucher
| Verbraucher | Empfehlung im Notstromfall | Begründung |
|---|---|---|
| Kühlschrank | sinnvoll | geringe bis mittlere Leistung |
| Licht | sinnvoll | Sicherheit und Komfort |
| Router / IT | sinnvoll | Kommunikation bleibt möglich |
| Heizungssteuerung | sinnvoll | geringe Leistung, hoher Nutzen |
| Wärmepumpe | reduziert betreiben oder abschalten | Leistung und Anlaufströme prüfen, SG Ready nutzen |
| Wallbox | sperren oder stark reduzieren | sehr hoher Energiebedarf |
| Durchlauferhitzer | meist nicht geeignet | sehr hohe Anschlussleistung |
| Herd / Backofen | eingeschränkt | hoher Leistungsbedarf |
| Heizstab / Zusatzheizung | abschalten | entlädt Speicher sehr schnell |
Häufige Fragen
Kann ich eine Wallbox im Notstromfall betreiben?
Technisch ist das nur möglich, wenn Wechselrichter und Batterie ausreichend dimensioniert sind. In den meisten Haushalten ist es sinnvoller, die Wallbox im Notstromfall automatisch abzuschalten oder stark zu reduzieren.
Kann eine Wärmepumpe über Notstrom laufen?
Das hängt von der Wärmepumpe, der Backup-Leistung des Wechselrichters und der Batteriegröße ab. Über den Schaltkontakt der Full-Backup-Box kann der Wärmepumpe der Notstrombetrieb signalisiert werden, zum Beispiel über SG Ready.
Was ist SG Ready?
SG Ready steht für „Smart Grid Ready“. Viele Wärmepumpen können über diese Schnittstelle externe Signale verarbeiten und dadurch in bestimmte Betriebszustände wechseln. Im Notstromfall kann das genutzt werden, um die Wärmepumpe zu reduzieren oder bestimmte Funktionen zu sperren.
Was macht der Schaltkontakt der Full-Backup-Box?
Der Schaltkontakt löst aus, sobald die Box im Notstrombetrieb ist. Dieses Signal kann genutzt werden, um Verbraucher zu reduzieren, zu sperren oder über ein Energiemanagementsystem gezielt zu steuern.
Was ist besser: Schaltkontakt oder MULTI-Anschluss?
Der Schaltkontakt eignet sich für intelligente Verbraucher oder Steuerungen, die auf ein Signal reagieren können. Der MULTI-Anschluss eignet sich, wenn ein Verbraucher im Notstromfall vollständig elektrisch getrennt werden soll.
Fazit
Große Verbraucher wie Wallboxen oder Wärmepumpen müssen in einer PV-Notstromlösung bewusst geplant werden. Sie können die Batterie schnell entladen oder den Wechselrichter überlasten.
Mit dem Schaltkontakt der Full-Backup-Box können Verbraucher gezielt auf den Notstrombetrieb reagieren. Wallboxen können automatisch gesperrt oder reduziert werden. Wärmepumpen können über SG Ready in einen passenden Betriebszustand wechseln. Zusätzlich bietet die Full-Backup-Box MULTI die Möglichkeit, große Verbraucher im Notstromfall vollständig abzuschalten.
Dadurch bleibt die verfügbare Energie für wichtige Verbraucher erhalten und die Notstromversorgung wird deutlich besser kontrollierbar.